Heizöl-Weblog Archiv Mai 2010


FastEnergy Geschäftsführer Josef Weichslberger mit 20 Jahren Erfahrung in der Mineralölbranche macht sich seine persönliche Gedanken zum Heizöl-Markt.

 

Montag, 17. Mai 2010

Wie die Politik die Marktwirtschaft zerstört(e)

Ich höre Sie alle, die jetzt über Turbokapitalismus und sämtliche Formen der Marktwirtschaft herziehen. Denn die Meisten sehen ja immer nur die schlechten Seiten an einer Sache.
Dass uns dieses System großen Wohlstand gebracht hat, vergessen die meisten. Andere System sind längst gescheitert! Es gibt keine Alternative.

Jetzt steht unsere Wirtschaftsordnung aber tatsächlich vor dem Abgrund und es stellt sich die Frage, was oder wer Schuld daran ist und vor allem, wie man den Karren jetzt wieder aus dem Dreck ziehen kann.

Es ist zu beobachten und festzustellen, dass was im Kleinen gut funktioniert, schnell über den Haufen geworfen wird, sobald es Dimensionen erreicht, wo politisch übergeordnetes Handeln und langfristiges Denken erforderlich wäre.

Betreiben Sie mal als kleiner Heizölhändler Ihr Geschäft und Sie werden feststellen, dass es Zig-Vorschriften und für alle Eventualitäten einen Notfallplan gibt. Wenn aber BP ein Loch in den Meeresgrund bohrt, weiß niemand so Recht was passiert, wenn das mal leck wird.
Hier wären ja internationale Standards erforderlich, auf die man sich wohl bislang nicht einigen konnte.
Oder nehmen wir die Atompolitik. Endlagerung des Atom-Mülls nach wie vor ungeklärt - egal, irgendwie wird es schon gehen. Die anderen machen es ja auch!
Und wenn es um die Finanzen geht? Versuchen Sie mal einen Kredit zu bekommen, wenn Ihre Verschuldung seit Jahren und Jahrzehnten steigt und Sie bisher keinen Cent zurückbezahlt haben. Beim Staat wird dann halt die Notenpresse angeschmissen. Die Amis machen das ja schon seit Jahrzehnten! Was kümmert uns unser Geschwätz von gestern.

Es sind nicht der Kapitalismus oder die freie Marktwirtschaft, die alles zerstören, es sind die mangelnden Regulierungsmaßnahmen und die fehlende Konsequenz der Politik.

Sämtliches politisches Handeln ist seit Jahrzehnten nur darauf ausgerichtet, kurzfristig wiedergewählt zu werden. Die Probleme wurden entweder gar nicht angegangen, oder aber in die Zukunft verschoben. Die zeitliche Verzögerung von Ursache und Wirkung wird schamlos ausgenutzt.

Sind wir als Wähler daran schuld? Was hätten wir anders machen können?
Ich sage nein, egal wer an der Macht ist, der kurzfristige Egoismus hat alle Parteien erreicht, nicht nur in Deutschland.
Es ist ein grundsätzlicher Fehler des politischen Systems. Wie in der Bankenbranche, kommt die Nachhaltigkeit auch hier viel zu kurz!

Aber wir spüren, dass es höchste Zeit wird, umzudrehen und umzudenken.
Das zeigt die mittlerweile gegen Null tendierende Popularität der Steuersenkungsdebatte. Entschuldigen Sie bitte, aber diesen Sch.... kann doch nun wirklich niemand mehr hören.

Jetzt müssen politische Konzepte her, wie das bisherige Fehlverhalten möglichst wieder behoben werden kann. Und dazu ist globales Handeln erforderlich.

Die Politik hat mit der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte nicht Schritt halten können.
So wie es in Europa nicht funktioniert, einen einheitlichen Wirtschaftsraum mit einheitlicher Währung zu bilden, politisch aber gleichzeitig autark zu handeln, so wird es auch weltweit nicht gehen.

Es ist an der Zeit, Eitelkeiten über Bord zu werfen und langfristig orientiert zu handeln, so wie dies in fast jeder Familie und in beinahe jedem (Familien)Unternehmen eine Selbstverständlichkeit ist.

Ich glaube ein Großteil der Bevölkerung - und ich meine nicht nur in Deutschland - wäre bereit dazu. Bloß wie bringen wir es unseren Politikern bei?