Heizöl-Weblog Archiv Juli 2009
FastEnergy Geschäftsführer Josef Weichslberger mit 20 Jahren Erfahrung in der Mineralölbranche macht sich seine persönliche Gedanken zum Heizöl-Markt.
Mittwoch, 29. Juli 2009
Endlich - Heizöl wieder billiger!
Dass es am Heizöl-Markt gut zwei Wochen nur nach oben geht, ist relativ selten und ich glaub selbst im letzten Jahr, wo die Preise ja im Sommer stark angestiegen sind, gab es einen derart lang anhaltenden Anstieg nicht. Zwar waren die Zuwächse in den letzten Tagen nicht dramatisch, aber stetig.
Nun, heute scheint es endlich wieder in die andere Richtung zu gehen und darüber bin nicht nur ich, sondern auch die ganze Branche froh. Oder sagen wir lieber mal - fast die ganze Branche.
Denn die landläufigen Meinung, der Handel verdiene bei höheren Heizölpreisen mehr, ist schlichtweg falsch!
Zwar hat der ein oder andere Händler hin und wieder noch ein paar Liter unverkaufte Ware im Lagertank, die er dann bei steigenden Preisen mit etwas höherer Marge verkaufen kann, doch geht das Ganze in ein paar Tagen meist schon wieder in die andere Richtung und der spekulative Gewinn verloren.
Denn auch ein Öl-Händler kann die Preisentwicklung nicht vorhersehen und wenn doch, wäre er bereits in die Berufsgruppe der Millionäre gewechselt!
Jeder seriös kalkulierende Heizöl-Kaufmann ordert bei seinem Lieferanten sehr zeitnah soviel Ware, wie gerade verkauft ist - er deckt, um es in der Fachsprache zu sagen, seine Verkäufe ab.
Deshalb gibt es bei der Heizöl-Bestellung auch kein Rückgabe- oder Widerrufsrecht! Die Ware wird für den Kunden so eingekauft wie bestellt und muss auch zu diesem Preis abgeholt werden! Da gibt es keine Ausnahme!
Der große Unterschied zum restlichen Handel besteht in der Art der Kalkulation!
Im Heizöl-Handel wird die Marge (Handelsspanne) mit einem festen Aufschlag pro Liter bzw. hundert Liter und nicht prozentual gerechnet.
Das muss auch so sein, denn bei diesen großen Preisschwankungen und dem sehr hohen Kostenanteil der Ausfuhr, wäre jede andere Kalkulation kaufmännisch absolut unsinnig.
Der Heizöl-Handel verdient bei stabilen Preisen also immer gleich, egal ob das Preisniveau hoch oder niedrig ist.
Und da wir unsere Kunden natürlich lieber mit billiger Ware versorgen und gleichzeitig auch weniger Kapital gebunden ist, freuen uns auch wir, wenn die Heizölpreise wieder fallen.
Ach ja und fast hätt ich es vergessen - auch wir müssen unseren Tank für den nächsten Winter wieder füllen! Und auch wir sparen uns das Geld lieber für andere Dinge!
Mittwoch, 08. Juli 2009
Heizöl auf Jahre billig?
Dass die Ölpreise wieder steigen, scheint beinahe eine Selbstverständlichkeit zu sein. Egal mit wem man redet, oder welchen Analysten-Kommentar man hört, der Ölpreis wird wieder - wahrscheinlich sogar über die 100 Dollar pro Barrel - ansteigen, das ist beschlossene Sache!
Aber wo steht das?
Fix ist nix! Gerade diese Erfahrung konnte ich in den letzten Jahren immer wieder machen.
Gerade dann, wenn alle anscheinend der gleichen Meinung sind, kommt es oft anders als man denkt - vor allem an der Börse!
Da passt die Meinung des BP-Experten Kevin Goodwin ganz gut ins Bild, der kürzlich in Wien Zweifel hegte, ob die Nachfrage in den Industriestaaten je wieder ansteigen werde. Bereits seit 2006 geht hier nämlich der Verbrauch bereits zurück!
Klar, dass die Nachfrage in China, Indien und in so manchen Entwicklungsländern weiter steigen wird. Da besteht wohl wirklich kein Zweifel.
Klar ist aber auch, dass es hier früher oder später einen Technologietransfer geben wird, der unsere Jahrzehnte langen Forschungsarbeiten in diesen Ländern nutzbar macht.
Außerdem ist der Energiebedarf in den etablierten Industrieländern immer noch ein Vielfaches höher als in den Entwicklungs- oder Schwellenländern, sodass die Basis für das Einsparungspotenzial zumindest derzeit wesentlich höher ist, als für den möglichen Anstieg des Verbrauchs.
Aus meiner Sicht ist das alles nur eine Frage der Zeit bzw. des Entwicklungstempos.
Wesentlich sicherer als eine Ölpreis-Prognose jenseits der 100-Dollar-Marke scheint mir daher die Erkenntnis zu sein, dass wir auch dann immer noch genügend Vorräte haben werden, wenn wir gar kein Öl mehr benötigen.
Ist doch irgendwie beruhigend, oder?
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